Wertebasiertes Wirtschaften: Kreislaufstrategien nachhaltig und wirtschaftlich umsetzen

Der KOMATRA-Fachkongress in Koblenz widmete sich der zentralen Frage, wie Unternehmen durch konsequent zirkuläres Denken wirtschaftlich erfolgreich sein können. In spannenden Keynotes, Panels und Praxisimpulsen diskutierten Expert:innen aus Wissenschaft und Wirtschaft, wie ein Einstieg in die Kreislaufwirtschaft gelingen kann und wie Zielkonflikte und Hürden überwunden werden können. Das Thema „Kreislaufwirtschaft“ wurde dabei aus einer ganzheitlichen Perspektive beleuchtet: Vom zirkulärem Produktdesign, über die Umsetzung in der Praxis bis hin zur Rolle von Werten für eine erfolgreiche Transformation

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In drei interaktiven Sessions wurden zentrale Themen der Kreislaufwirtschaft beleuchtet:

Eco Design

Wie nachhaltige Produktgestaltung Innovationen vorantreibt

ReX-Strategien

Wie Unternehmen durch Wiederverwendung und Remanufacturing profitieren

Werte

Die Rolle von Werten in der Kreislaufwirtschaft

Themen im Fokus

In spannenden Keynotes, Panels und Praxisimpulsen diskutierten Expert:innen aus Wissenschaft und Wirtschaft zentrale Fragen wie:

  • Wie beginne ich mit Kreislaufwirtschaft im Unternehmen?
  • Wie gehe ich mit Zielkonflikten, Hürden und Unsicherheiten um?
  • Und wie kann aus einer vermeintlichen Hürde eine unternehmerische Stärke werden?

Die Weichen für Kreislauffähigkeit werden nicht am Ende, sondern zu Beginn gestellt – im Produktdesign. Konstruktion und Design bestimmen maßgeblich, wie langlebig, reparierbar und wiederverwendbar ein Produkt ist. Gerade in volatilen Zeiten bietet kreislauforientiertes Design nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Stabilität. Anhand konkreter Praxisbeispiele – mit Fokus auf Eco-Design – zeigten wir, wie zirkuläre Produktentwicklung gelingt, wo typische Hürden liegen und welche Lösungsansätze sich bewährt haben.

Ecodesign und Circular Economy

Produktgestaltung neu denken

Prof. Dr. Janis Winzer, Professor für Zirkuläre Wirtschaft und Ressourceneffizienz an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW Saar), eröffnete spannende Einblicke in die Prinzipien des Ecodesigns. Er zeigte auf, wie nachhaltige Produktgestaltung zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks beitragen kann, indem er inspirierende Beispiele vorstellte. Er rückte die Beleuchtung in einer zirkülären Wirtschaft in den Mittelpunkt seines Vortrags. Mithilfe des EU-geförderten Projekts cycLED (Cycling resources embedded in systems containing light-emitting diodes) gelang es beispielsweise dem Unternehmen BRAUN Lighting Solutions ihr LED Recylcing bei ihrer Fokus Beleuchtung zu fördern. Das innovative Design ermöglicht nicht nur die Reparatur und Langlebigkeit der LEDs, sondern fördert außerdem die Rückgewinnung von wirtschaftsstrategischen Metallen sowie den Ressourcenschutz durch einen signifikant geringeren Energieverbrauch der Leuchtdioden.

Material Compliance, biologische Sicherheit & neue Polymere

Warum Risikomanagement & Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen

Dr.-Ing. Julian Lotz, Geschäftsführer der BIOVOX GmbH, beleuchtete die Rolle strenger Regularien in der Medizintechnik. Um die gesundheitliche Sicherheiten der Patient*innen zu gewährleisten, sind Unternehmen dazu verpflichtet entsprechende Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Dieser Medical Grade Sicherheit soll nun um den Medical Grade Nachhaltigkeit erweitert werden, ohne die gesundheitliche Sicherheit zu verringern. Als eine Lösung stellte Herr Lotz den Biokunsstoff von BIOVOX vor. Neben der maximalen Sicherheit stellt der voll kreislauffähige (inklusiver Recycling) Kunststoff aus erneuerbaren Rohstoffen eine maximale Zukunftssicherheit der Produkte dar. Mithilfe des MedEco Biokunststoffes können bis zu 85% CO2 eingespart werden. Mit diesem Produkt zeigte er, wie Unternehmen trotz regulatorischer Notwendigkeiten erfolgreich kreislauffähige Produkte entwickeln können.

Kreislaufwirtschaft wird oft auf Recycling reduziert – dabei steckt dahinter weit mehr: ein strategischer Gestaltungsrahmen für hochwertige, zukunftsfähige Wertschöpfung. Re-X-Strategien wie Reuse, Repair, Remanufacture oder Refurbishment ermöglichen Unternehmen, Material- und Produktflüsse neu zu denken, Geschäftsmodelle resilienter aufzustellen und Abhängigkeiten gezielt zu reduzieren. In diesem Themenblock zeigten wir, wie sich diese Prinzipien in der Unternehmensstrategie und Produktentwicklung verankern lassen, nicht als Zusatzaufgabe, sondern als Grundlage für Planungssicherheit, Innovationsspielräume und wirtschaftliche Stabilität.

Vom Klein-Klein zum Systemansatz

Geschäftsmodelle für zirkuläre Wertschöpfung

Prof. Dr. Matthias Vette-Steinkamp vom Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier argumentierte für eine ganzheitliche Perspektive, die die Kreislaufwirtschaft als umfassendes System versteht und weit über das Produkt selbst hinausgeht. Er stelle einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Dienstleistungsgrades und der Anreize zu langer Produktlebensdauer, intensiver Nutzung sowie Wiederverwendung von Teilen her. Als Beispiel präsentierte er das BlueLavage® Spülsystem, welches in der Orthopädie und Unfallchirurgie Anwendung findet. Bei dem Spülsystem wird einerseits auf Batterien und andererseits auf Metallteile im Handstück verzichtet und stattdessen auf ein wieder verwendbare Antriebseinheit gesetzt, die sog. „DriveUnit“. Durch dieses Produkt können tonnenweise Sondermüll vermieden werden.

Design for Sustainability

Zukunftsfähige Medizinprodukte aus Kunststoff

Lisanne Klink und Erika Unjaev von Röchling Medical brachten ein Best Practice-Beispiel aus der Medizin-Technik-Branche mit und verdeutlichten, dass eine erfolgreiche Umsetzung von Kreislaufstrategien Kooperationen über die eigenen Unternehmensgrenzen hinweg erfordern. Mithilfe ihrer nachhaltigen Produktentwicklung stellten sie einen klingenlosen Einweg-Trokar aus Kunststoff her.

Das sterile Instrument für minimalinvasive Eingriffe ist mit gezieltem Materialeinsatz und der Prämisse einer Reduktion der Komponentenanzahl und des Gewichts entwickelt worden. Zudem vereinfachten sie die Montage-Prozessschritte durch eine Schnappverbindung, die theoretisch auch eine Demontierung erlaubt. Darüber hinaus sind die Materialien zur Konstruktion des Trokar aus reycylingfreundlichen Materialien hergestellt, die eine Trennung nach Materialien ermöglichen. Trotz des gelungenen Best Practice Beispiels verdeutlichten die beiden Speakerinnen, dass eine erfolgreiche Umsetzung von Kreislaufstrategien Kooperationen über die eigenen Unternehmensgrenzen hinweg erfordern und ein innovatives Produkt alleine keine Kreislaufwirtschaft realisieren kann.

Führungskräfte spielen eine Schlüsselrolle in der Kreislaufwirtschaft, indem sie Werte wie Nachhaltigkeit, Verantwortung und Kooperation aktiv vorleben und in den Unternehmensalltag integrieren. Nur wenn Führungspersonen diese Werte glaubwürdig repräsentieren, können sie Mitarbeitende, Partner und Stakeholder für die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft begeistern und eine gemeinsame Vision schaffen. Ethisches und nachhaltiges Handeln der Führungskräfte wird so zur Grundlage für langfristigen Unternehmenserfolg und stärkt das Engagement aller Beteiligten für eine zukunftsfähige Wertschöpfung.

Zur Rolle von Werten für die Kreislaufwirtschaft

Prof. Dr. Matthias Rohs von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau betonte die Bedeutung von Werten und deren Einfluss auf nachhaltiges Handeln in Unternehmen. Er erklärte, dass eine Orientierung an entsprechenden Werten der Nachhaltigkeit für die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft notwendig ist. Die Kreislaufwirtschaft geht über technische Innovationen und politische Regularien hinaus: der Mensch und seine Werteorientierung sind maßgeblich für die Realisierung nachhaltigen Verhaltens. Unternehmen sollten daher den Einfluss von Werten auf die Umsetzung von Kreislaufwirtschaft mitdenken.

Keynote: Werner und Merz

Werner und Mertz als Vorreiter für werteorientierte Unternehmensführung

Filipe Silveira Homem von Tana-Chemie GmbH, der Professional-Sparte von Werner & Mertz GmbH, ergänzte dies um den praktischen Aspekt der werteorientierten Unternehmensführung. Sie sei der Schlüssel für eine erfolgreiche Realisierung von Kreislaufwirtschaft , was er eindrücklich anhand der Marke „Frosch“ für ökologische Reinigung aufzeigte. Kreislaufwirtschaft kann nur durch gelebte Werte von Führungskräften gelingen. Dies realisiert Werner & Mertz, indem sie die Werte „Nachhaltigkeit“ und „Zirkularität“ als Entwicklungsleitlinie aller Produkte und Handlungen etabliert haben und dies in der Unternehmenskultur gelebt wird, so Homem. Das Kreislaufwirtschaft, gelebte Werte und ökonomischer Erfolg Hand in Hand gehen können, zeigte Herr Homem eindrücklich an einer Zahl: Dieses Jahr wurde die Milliardste 100 Prozent recycelte PET-Flasche von dem Unternehmen in den Umlauf gebracht.

Die abschließende Werksbesichtigung bei TOMRA Recycling demonstrierte ein greifbares Praxisbeispiel für die Teilnehmenden. Durch ihre sensorgestützten Sortierlösungen mit softwaregesteuerter Intelligenz zeigte TOMRA einen konkreten Weg auf, wie man mithilfe von Metall- und Abfallrecycling eine optimale Wertstoffrückgewinnung schaffen kann.

Zukunftsfähige Strategien

Der KOMATRA-Fachkongress 2025 hat mit seinen vielfältigen Perspektiven und insbesondere durch die Praxisbeispiele einen wertvollen Beitrag zur Diskussion um zukunftsfähige Kreislaufstrategien geleistet und gezeigt, wie wirtschaftlicher Erfolg durch konsequent zirkuläres Denken gelingt – und das im Einklang mit Werten und Nachhaltigkeit.

Zu den Forschungsergebnissen und Angeboten der Kompetenzzentren der Arbeitsforschung können Sie sich jederzeit über die unten angegebenen Links informieren.

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